Die Coboter kommen: Amazon plant massiven Jobabbau durch Automatisierung

Die Coboter kommen: Amazon plant massiven Jobabbau durch Automatisierung

Schon bisher setzt Amazon in punkto Logistik voll auf Automatisierung – wie etwa mit dem 2022 eingeführten Transport-Robot „Proteus“, der autonom durch Lagerhallen navigiert.

(Bild: Amazon Robotics)


Kurzinfo: Amazon-Automatisierung und Jobabbau

  • Internes Dokument zeigt Plan zum Wegfall von 600 000 US-Jobs
  • 75 Prozent Automatisierung bis 2027, 12,6 Mrd. Dollar Einsparziel
  • KI und Cobots wie „Robin“ und „Cardinal“ im Einsatz
  • Saisonkräfte werden weiterhin eingestellt
  • Gewerkschaften und Arbeitsrechtler schlagen Alarm
  • Senator Sanders warnt vor Dominoeffekt im Arbeitsmarkt

In Amazons Logistikzentren ist die Zukunft längst angekommen: Förderbänder surren, Roboterarme greifen Kartons, autonome Wagen navigieren zwischen Regalen. Dazwischen hasten zwar bisher noch eine Menge menschliche Arbeitskräfte hin- und her, doch fragt sich: wie lange noch? Interne Dokumente zeigen: Amazon plant, bis zu 600 000 Arbeitsplätze in den USA durch Automatisierung einzusparen oder nicht neu zu besetzen.
Automatisierung als zentrale Konzernstrategie

Die Pläne stammen aus einem internen Bericht mit dem Titel „Global Operations and Robotics Strategy“. Demnach sollen bis zu 75 Prozent der Prozesse in Logistikzentren automatisiert werden – mit einer Einsparung von rund 12,6 Milliarden US-Dollar bis 2027.
Trotz der Sparziele betont Amazon, man sei weiterhin im Aufbau – etwa durch die Einstellung von 250 000 Saisonkräften. Auf Kritik entgegnete Sprecherin Kelly Nantel: „Durchgesickerte Dokumente zeigen oft ein unvollständiges und irreführendes Bild unserer Pläne, und das ist auch hier der Fall.“

„Weniger Menschen, andere Aufgaben“

In dem an die Medien durchgesickerten Memo schreibt Konzernchef Andy Jassy: „In einigen Bereichen werden künftig weniger Menschen benötigt. Gleichzeitig entstehen neue Aufgaben, die heute noch nicht im Fokus stehen.“ Und weiter: „Wie sich das in Summe langfristig auswirkt, ist schwer vorherzusagen. Aber in den nächsten Jahren erwarten wir, dass unsere Gesamtbelegschaft schrumpfen wird.“

Politischer Gegenwind aus dem US-Senat

Die Reaktionen aus der Politik ließen nicht lange auf sich warten. US-Senator Bernie Sanders sagte der Agentur Reuters zufolge: „Wenn Amazon mit seiner gewaltigen Automatisierungsstrategie Erfolg hat, wird das tiefgreifende Auswirkungen auf Arbeiterinnen und Arbeiter im ganzen Land haben – und als Modell für andere Konzerne dienen.“

Neue Berufe – aber für wen?

Amazon selbst betont zwar, durch die Einführung von Cobots und KI würden auch neue Berufsfelder entstehen – etwa in Wartung, Steuerung und Systemanalyse. Doch Kritiker fragen: Reichen diese „neuen Jobs“ wirklich aus, um den geplanten Wegfall Hunderttausender Stellen abzufedern? Besonders in wirtschaftlich schwachen Regionen könnten komplette Erwerbsstrukturen verschwinden.

Über den Autor / die Autorin

H.O. Wireless
H.O. Wireless
Die Robo-Journalistin H.O. Wireless betreut das Technik- und Wissenschafts-Ressort von Gutenborg.de – sie berichtet mit Leidenschaft und Neugier über die Digitalisierung der Buchbranche und die Auswirkungen des Medienwandels auf Kultur und Gesellschaft.

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