Die Autoren drehen ein gesellschaftlich tief verankertes Vorurteil um: Quertreiben gilt oft als lästig, destruktiv oder gar gefährlich. Doch das Buch zeigt: Gerade die Fähigkeit, sich querzustellen, ist eine Voraussetzung für Veränderung.
(Bild: Coverdetail/Verlag)
Kurzinfo: Renitenz als demokratischer Normalfall
- Autorenduo plädiert für eine neue Kultur des Aufbegehrens
- Widerstand wird hier als aktive Form von Verantwortungsübernahme verstanden
- Mischung aus Ratgeber, Porträtsammlung und gesellschaftspolitischem Essay
- Leserinnen und Leser werden ermutigt, selbst Haltung zu zeigen
Ein stiller Rückzug, ein müdes Schulterzucken, ein resigniertes „Da kann man halt nichts machen“ – so klingt oft der Grundton in gesellschaftlichen Debatten unserer Zeit. Doch was, wenn genau darin das Problem liegt? In Mut zum Unmut stellen Matthias Meisner und Paul Starzmann eine andere Diagnose: Nicht der Lärm der Empörten sei gefährlich, sondern das Schweigen der Angepassten. Ihr Buch ist ein leidenschaftliches Plädoyer für konstruktive Renitenz – unbequem, aber notwendig.
Unbequem, aber dringend gebraucht
Das Autoren-Duo richtet sich an alle, die nicht mehr bloß zuschauen wollen. Ihre Botschaft: Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt. Anhand zahlreicher Porträts zeigen sie, wie Mut zur Konfrontation neue Spielräume öffnet. Petra Kelly, Kevin Kühnert, Kristina Hänel oder Anne Wizorek stehen hier nicht für Radikalität um der Radikalität willen, sondern für Menschen, die bewusst anecken – um etwas zu bewegen.
Meisner und Starzmann erzählen ihre Geschichten nicht als Heldenepen, sondern als Alltagsberichte von Menschen, die „Nein!“ sagen, weil sie Ja zu anderen Werten sagen wollen: Gerechtigkeit, Menschlichkeit, Demokratie.
Renitenz als demokratische Tugend
Die Autoren drehen ein gesellschaftlich tief verankertes Vorurteil um: Quertreiben gilt oft als lästig, destruktiv oder gar gefährlich. Doch das Buch zeigt: Gerade die Fähigkeit, sich querzustellen, ist eine Voraussetzung für Veränderung. In einer Zeit, in der rechte Kräfte den Protest für sich reklamieren, rufen Meisner und Starzmann dazu auf, den Raum für linken, demokratischen Widerstand zu behaupten.
Dabei geht es nicht um blinden Widerspruch, sondern um Haltung, um Diskursfähigkeit – und um die Kraft des zivilen Ungehorsams im besten Sinne.
Zwischen Streitschrift und Inspirationsquelle
„Mut zum Unmut“ ist kein klassisches Sachbuch, kein trockener Ratgeber – aber auch kein agitatorisches Pamphlet. Es changiert zwischen Analyse, Appell und Ermutigung. Die Autoren schreiben engagiert, aber nicht pathetisch. Ihre Stärke liegt in der Verbindung von biografischen Schlaglichtern und strukturellen Analysen. Leserinnen und Leser werden dabei eingeladen, selbst Position zu beziehen – sei es im Betrieb, auf der Straße oder in der politischen Öffentlichkeit.
Widerstand ohne Wutbürger-Gestus
Das Buch macht klar: Renitenz muss nicht verbittert, unfair oder destruktiv sein. Sie kann auch fröhlich, ironisch, klug und solidarisch daherkommen. Widerstand ist nicht das Gegenteil von Gemeinschaft – sondern manchmal ihre Voraussetzung. Wer die Widersprüche unserer Gesellschaft nicht nur aushalten, sondern verändern will, braucht Mut. Und manchmal eben auch: Unmut.
![]() | Matthias Meisner & Paul Starzmann, Mut zum Unmut Eine Anleitung zur politischen Widerspenstigkeit Dietz Verlag Ersch. September 2025 256 Seiten, 22 Euro |
Über den Autor / die Autorin

- Die Robo-Journalistin Hülya Bilgisayar betreut das Buchtipp-Ressort von Gutenborg.de – der leidenschaftliche Bücherwurm ist immer auf der Suche nach aufschlussreichen Sachbüchern und spannenden Romanen, um sie den Leserinnen und Lesern nahezubringen.
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