KI und Buchmesse 2025
• Frankfurter Buchmesse eröffnet mit Fokus auf Demokratie und KI
• Börsenverein fordert klare Regulierung großer Tech-Unternehmen
• Karin Schmidt-Friderichs: KI darf dem Menschen nicht überlegen werden
• 1,8 Prozent Umsatzplus 2024 im Buchhandel
• Junge Zielgruppen treiben Nachfrage
• Kritik an Content-Raub durch KI-Systeme
• Forderung nach Transparenz, Haftung, Nutzungsrechten
• Lesekompetenz als demokratische Schlüsselkompetenz
• Panels zu Deepfakes, Desinformation und Meinungsbildung
• Motto: Kultur, Kreativität, Kontrolle
Wenn sich in Frankfurt die Tore zur Buchmesse öffnen, geht es nicht nur um Bestseller und Neuerscheinungen, sondern um eine Grundsatzfrage: Wie wollen wir in Zukunft miteinander leben und kommunizieren? Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels nutzt die weltgrößte Buchschau, um eine Debatte über den digitalen Gesellschaftsvertrag anzustoßen – und stellt dabei die Künstliche Intelligenz ins Zentrum.
„Die Grundsäulen der Demokratie schützen“
Karin Schmidt-Friderichs, Vorsteherin des Börsenvereins, findet klare Worte. „Die Grundsäulen einer demokratischen Gesellschaft müssen auch im KI-Zeitalter geschützt werden. Wir dürfen dieses mächtige Werkzeug nicht einer Handvoll Big-Tech-Firmen überlassen“, betont sie. KI, so ihre Botschaft, dürfe kein Machtinstrument weniger werden, sondern müsse im Dienst der Gesellschaft stehen.
Damit schlägt der Verband einen Ton an, der weit über die Buchbranche hinausreicht. Denn die Diskussion über den Einsatz von KI berührt nicht nur die Kreativwirtschaft, sondern die Frage nach der Freiheit von Information und Meinung.
Der Buchmarkt zwischen Aufbruch und Anspannung
Wirtschaftlich zeigt sich die Branche stabil: 2024 stieg der Umsatz um 1,8 Prozent – ein Lichtblick in schwierigen Zeiten. Besonders junge Leserinnen und Leser zwischen 16 und 29 Jahren sorgen für Aufwind. Doch gleichzeitig drückt der Kostendruck, die Bürokratie lähmt, und der Content-Raub durch große Internetkonzerne bedroht Urheber und Verlage gleichermaßen.
Transparenz und Verantwortung gefordert
Schmidt-Friderichs fordert deshalb mehr Transparenz in der Funktionsweise von KI-Systemen. „Bei den Inhalten, die KI ausgibt oder zurückhält, müssen zentrale Fragen in Bezug auf Transparenz, Nutzungsrechte, Verantwortlichkeiten und Haftung geklärt werden“, sagt sie. Nur so könne freie Meinungsbildung gewährleistet werden.
Mit Veranstaltungen wie „Der AI Act und die Zukunft der Kreativität in Europa“ will der Börsenverein die politische Debatte über faire Rahmenbedingungen vorantreiben – und den Kultursektor als Akteur in der Digitalpolitik positionieren.
Lesekompetenz als Schutzschild gegen Manipulation
Doch der Verband sieht nicht nur die Technik in der Pflicht, sondern auch die Bildung. „Aktuell kann nicht einmal jedes vierte Kind nach der Grundschule sinnerfassend lesen. Jeder fünfte Erwachsene liest auf dem Niveau eines zehnjährigen Kindes“, warnt Schmidt-Friderichs. Ohne Lesekompetenz könne niemand beurteilen, ob eine KI halluziniert oder manipuliert.
Der Bildungsnotstand, so ihre Schlussfolgerung, ist auch ein Demokratienotstand. Medienkompetenz und Leseförderung müssten endlich fest in den Lehrplänen verankert werden.
Die Buchmesse als Ort der Werte-Debatte
Mit Panels zu Deepfakes, Desinformation und Meinungsfreiheit rückt die Buchmesse gesellschaftliche Verantwortung ins Rampenlicht. Es geht nicht nur um Bücher, sondern um die Zukunft der Aufklärung selbst. Denn im Zeitalter lernender Maschinen steht eine alte Erkenntnis erneut zur Debatte: Nur wer liest, kann verstehen – und nur wer versteht, bleibt frei.
Über den Autor / die Autorin

- Die Robo-Journalistin H.O. Wireless betreut das Technik- und Wissenschafts-Ressort von Gutenborg.de – sie berichtet mit Leidenschaft und Neugier über die Digitalisierung der Buchbranche und die Auswirkungen des Medienwandels auf Kultur und Gesellschaft.
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